Radiologie, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin
Radiojodstation
Die Radiojodstation am Herz-Jesu-Krankenhaus ist das erste nuklearmedizinische Therapiezentrum zur Behandlung von Schilddrüsen-Erkrankungen im Westerwald.
Mit Hilfe der Radiojodtherapie können Überfunktion der Schilddrüse, Schilddrüsen-Vergrößerung sowie Schilddrüsenkrebs behandelt werden. Dies funktioniert ohne relevante Einschränkung der Lebensqualität der Patient:innen durch belastende Nebenwirkungen.
Die Radiojodbehandlung der Schilddrüse ist eine seit über 60 Jahren bewährte Behandlungsmethode. Sie hat das Ziel, eine Überfunktion zu beseitigen oder eine Verkleinerung der Schilddrüse zu erreichen. In den üblichen Dosen zeigt sie keine Nebenwirkungen. Relativ selten kommt es zu einer dauerhaften Unterfunktion der Schilddrüse, die jedoch problemlos durch die regelmäßige Einnahme von Schilddrüsenhormon ausgeglichen werden kann.
Der Radiojodtest, der vor jeder Behandlung durchgeführt wird, dient zur Dosisberechnung. Durch eine einmalige, niedrig dosierte Testdosis radioaktiven Jods kann bei jedem bzw. jeder Patient:in die individuell benötigte Aktivitätsmenge berechnet werden.
Zu den wichtigsten Erkrankungen der Schilddrüse, die in unserer Region relativ häufig eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen, gehört die sogenannte Autonomie. Dabei arbeiten Areale in der Schilddrüse unabhängig von der Steuerung aus dem Gehirn.
Dadurch reagieren diese Regionen insbesondere bei erhöhter Jodzufuhr häufig mit einer Schilddrüsenüberfunktion – vor allem, wenn sie auch ein größeres Volumen haben. Die Behandlungsnotwendigkeit der Autonomie hängt von den vorliegenden Beschwerden ab. Das können insbesondere Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Gewichtsabnahme oder starkes Schwitzen sein. Auch das Alter kann eine Rolle spielen.
Morbus Basedow
Bei der Basedow-Überfunktion ist die gesamte Schilddrüse betroffen. Auslöser sind Antikörper, die die Schilddrüsenzellen stimulieren. Dadurch kommt es zu einer unkontrollierten Mehrproduktion von Schilddrüsenhormon.
Neben der Radiojodbehandlung kommt in manchen Fällen auch eine Operation infrage – insbesondere, wenn die Schilddrüse sehr groß ist und auch Knoten aufweist. Bei kleineren Schilddrüsen ohne größere kalte Knoten ist sicherlich die Radiojodbehandlung die Methode der Wahl, da sie deutlich weniger Risiken beinhaltet.
Knotenstruma
Hier handelt es sich um eine Schilddrüsenvergrößerung (meist ohne Überfunktion) mit einem oder mehreren Knoten in der Schilddrüse. Dadurch kommt es zu mechanischen Behinderungen wie Schluckbeschwerden, Kloßgefühl und/oder Luftnot. Auch wenn oft eine Operation vorgeschlagen wird, kann in speziellen Fällen eine Radiojodbehandlung versucht werden, die zu einer Volumenreduktion bis 50 Prozent führen kann.
Bei einem sogenannten Knotenkropf sollte eine Radiojodtherapie allerdings nicht erwogen werden, wenn größere „kalte Knoten“ vorhanden sind. Bei diesen kalten Knoten ist das Risiko, dass sich dahinter auch eine bösartige Veränderung verbirgt, höher als bei sogenannten „heißen Knoten“. Dies muss im Einzelfall nach einer sehr sorgfältigen Ultraschall-Untersuchung, einer speziellen Szintigrafie und eventueller Feinnadelpunktion der Knoten geprüft werden.
Bösartige Schilddrüsenerkrankungen
Bei der häufigsten Form von Schilddrüsenkrebs wird die Schilddrüse zunächst operativ entfernt. In vielen Fällen werden dabei auch benachbarte Lymphknoten mit herausgenommen. Die Radiojodbehandlung erfolgt anschließend unter der Vorgabe, auch kleinste Schilddrüsenreste auszuschalten. Dadurch gelingt es in den allermeisten Fällen, eventuell noch vorhandene jodspeichernde Tochtergeschwülste des Tumors mit Radiojod auszuschalten.
Unter Radiojod versteht man Jod-131. Es handelt sich um eine radioaktive Variante von Jod. Der Körper kann nicht unterscheiden, ob es sich um eine radioaktive oder um eine nicht radioaktive Form handelt. Die Halbwertszeit von Jod-131 beträgt nur acht Tage. In dieser Zeit sind 50 Prozent des gegebenen Jods in andere Bestandteile zerfallen. Da neben dem physikalischen Zerfall das Jod auch noch zusätzlich ausgeschieden wird, ist die effektive Halbwertszeit kürzer.
Jod-131 ist ein in Kernreaktoren hergestelltes Nuklid. Bei seinem Zerfall zu stabilem Xenon wird ein Beta-Teilchen frei, dessen Strahlung für die therapeutische Wirkung verantwortlich ist. Die Betastrahlen bewirken in der Umgebung der Schilddrüsenzellen Schäden in der DNA, insbesondere Doppelstrangbrüche, die zur Einleitung des programmierten Zelltods führen, also auch zur Zerstörung von Tumorzellen.
Radiojodtest
Der Radiojodtest wird vor Beginn der eigentlichen Therapie ambulant an zwei aufeinander folgenden Tagen in unserer nuklearmedizinischen Ambulanz durchgeführt. Für den ersten Tag müssen rund eine Stunde für Untersuchungen eingeplant werden bzw. drei bis sechs Stunden bei Patient:innen mit Basedow-Überfunktion. Am folgenden Tag erfolgt die abschließende Untersuchung mit der individuellen Dosis-Berechnung für die anschließende Therapie. Für den zweiten Tag sollten etwa eine bis zwei Stunden eingeplant werden. Da die Aktivität bei dem Radiojodtest extrem gering ist, sind Strahlenschutzauflagen für diese Untersuchung nicht erforderlich.
Therapie
In der Regel verabreicht der bzw. die Stationsärzt:in gegen Mittag die Therapiekapsel. Das Jod wird in Form einer kleinen Kapsel auf nüchternen Magen geschluckt. Das Jod gelangt über das Blut in die Schilddrüse und entfaltet dort seine Wirkung. Ein großer Teil wird wieder über Urin, Stuhl und Schweiß in den nächsten Tagen ausgeschieden.
Wegen der radioaktiven Ausscheidungen schreibt der Gesetzgeber einen Aufenthalt in einer speziell eingerichteten Abteilung vor, die die Belange des Strahlenschutzes berücksichtigt. Die Ausscheidungen (Urin und Stuhl) werden in einer sogenannten Abklinganlage gesammelt.
Aus Strahlenschutzgründen ist der Aufenthalt in der Radiojod-Therapiestation für eine gewisse Zeit verpflichtend; individuell kann die Verweildauer zwischen zwei Tagen und zwei Wochen liegen. Dies hängt von der Größe und der Stoffwechselsituation der Schilddrüse ab und kann vom bzw. von der Ärzt:in vorher nur geschätzt werden.
Wir bitten Sie, im Rahmen des Aufenthalts den Kontakt zum bzw. zur Ärzt:in und zum Pflegepersonal möglichst kurz zu halten. Ebenso ist ein möglichst großer Abstand zum Personal wichtig. Besuch ist leider nicht gestattet!
Entlassung
Die Entlassung richtet sich nach den Strahlenschutzrichtlinien, die eine bestimmte Entlassungsaktivität verlangen. Durch die tägliche Messung der Körperstrahlung kann der Abbau der Radioaktivität verfolgt und der voraussichtliche Entlassungstag festgestellt werden. Orientieren Sie sich nicht an Ihrem Zimmernachbarn. Da jede:r Patient:in eine individuelle Aktivitätsmenge bekommt, die unterschiedlich lange gespeichert wird, kann die Dauer des Aufenthalts individuell schwanken. Auch nach der Entlassung ist noch eine geringe Restaktivität, hauptsächlich in der Schilddrüse, vorhanden.
Besondere Verhaltensmaßregeln gibt es von Seiten des Gesetzgebers nicht. Der nahe Kontakt zu Schwangeren und Kleinkindern sollte jedoch in der ersten Woche nach Entlassung gemieden werden. Ein spezielles Merkblatt informiert jede:n Patient:in hierüber.
Getragene Wäsche ist durch Absonderungen, wie zum Beispiel Schweiß, eventuell leicht radioaktiv verunreinigt. Nach einmaliger separater Wäsche ist die Kleidung wieder normal verwendbar.
Um den Aufenthalt für Sie angenehm zu gestalten, wurde für unsere Radiojodpatient:innen eine eigene Dachterrasse eingerichtet. In diesem Außenbereich können sich die Patient:innen unabhängig von ihren Strahlenwerten aufhalten, um frische Luft und Sonne zu genießen. Auch Rauchen ist hier möglich.
Die Mahlzeiten nehmen unsere Radiojodpatient:innen auf der Station ein. Für das Mittagessen steht eine Auswahl tagesfrisch zubereiteter Menüs zur Auswahl. Frühstück wird in Buffetform angeboten. Das Abendessen wird mittags in den Kühlschrank mit der Glastür und der Aufschrift „Abendessen Patienten“ deponiert.
Sobald die Restaktivität des Radiojods in Ihrem Körper die Grenzdosis unterschreitet, kann der bzw. die Patient:in vom bzw. von der Ärzt:in oder von der Stationsschwester entlassen werden. Das bedeutet, dass wir auch an Sonn- und Feiertagen entlassen.
Die Station ist täglich von 07:00-14:30 Uhr personell besetzt, danach ist die Station 7 für Sie mit zuständig. Diese erreichen Sie entweder unter der Nummer +49 2602 684-4170 oder Sie drücken den Schwesternruf, dann werden Sie auf Ihrem Zimmerapparat angerufen.
Unsere Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen
In den meisten Fällen müssen Sie für eine bestimmte Zeit Schilddrüsenhormone (beispieslweise L-Thyroxin) einnehmen. Dies klärt der bzw. die Ärzt:in mit Ihnen im Rahmen des Aufklärungsgespräches. Bei bösartigen Erkrankungen müssen Medikamente in den meisten Fällen abgesetzt werden.
Für dieses Bedürfnis haben wir eine Dachterrasse, welche mit einem Aschenbecher ausgestattet ist. In der Station darf natürlich nicht geraucht werden.
In fast allen Fällen ist es sinnvoll die Jodzufuhr über die Nahrung weitgehend zu vermeiden. Das bedeutet beispielsweise, dass Sie keinen Seefisch essen sollten. Es ist jedoch nicht erforderlich Brot zu besorgen, welches nicht mit jodiertem Speisesalz zubereitet wurde. Hier finden Sie eine beispielhafte Auflistung jodhaltiger Lebensmittel.
Bitte seien Sie zwischen 8:30 und 9:00 Uhr an der Station.
Bis 7 Uhr früh darf noch ein kleines Frühstück eingenommen werden.
Ja – über die komplette Zeit des stationären Aufenthaltes
Normale Tageskleidung sowie einen Schlafanzug oder ähnliches.
Ja. Der Körper verliert seine Radioaktivität zwar hauptsächlich über Körperflüssigkeiten, jedoch sind die tatsächlich messbaren Mengen so gering, dass es reicht, wenn Sie Ihre Kleidung zu Hause einmal getrennt waschen. Danach darf die Kleidung wieder in den normalen Kleiderschrank.
Generell kann man sagen, dass wir in Deutschland durch die Strahlenschutzverordnung ein verbindliches Regelwerk haben. Dieses besagt, dass ein:e Patient:in mit einer Ganzkörperdosisleistung von 3,5µSv/a in zwei Meter Entfernung entlassen werden darf, weil er dann keine Gefahr mehr für die Bevölkerung darstellt. Im Klartext heißt das, dass Sie Ihre Enkel in den ersten zwei bis drei Tagen nicht auf den Schoß nehmen sollten. Auch sollte sonstiger engerer Körperkontakt, insbesondere wenn dies mehrere Stunden dauert vermieden werden (beispielsweise längere Autofahrten, Kind nicht mit in das eigene Bett nehmen).
Nein. Da generell die Strahlenexposition für alle Personen so gering wie möglich gehalten werden sollte, ist Nichtpatient:innen der Zutritt zur Radiojodstation untersagt.
Internet steht leider nur über Mobilfunk zu Verfügung.
Grundsätzlich können alle Gegenstände, welche den Ablauf auf der Station nicht behindern, mitgebracht und auch wieder mitgenommen werden.
Ja. Wir haben keine elektrischen Geräte auf der Radiojodstation, die durch Handys gestört würden. Wir bitten jedoch aus Rücksicht auf die anderen Patient:innen, die Handys möglichst auf lautlos zu stellen.
Bitte nur etwa alle zwei Tage zügig duschen. Das komplette Abwasser aus der Radiojodstation läuft in die Abklinganlage. Das sind große Becken in denen die Radioaktivität über 26 Wochen abklingt. Da wir nur eine begrenzte Kapazität haben, sollte Wasser gespart werden, damit wir nicht "überlaufen".
Unsere Stationsschwestern bringen Ihnen gerne Zeitschriften aus unserer Cafeteria. Alternativ können Sie sich auch auf dem Postweg mit Lesematerial versorgen lassen.
Wir haben ein Fahrradergometer auf dem gleichzeitiges fernsehen möglich ist.
Da unser Krankenhaus an ein Dialysezentrum angeschlossen ist, kann auf Station eine sogenannte Peritonealdialyse angeboten werden.
Die Aufenthaltsdauer variiert individuell sehr stark zwischen 48 Stunden und 14 Tagen. Sie wird individuell als ungefähre Dauer in Tagen von der Therapie ermittelt. Sie richtet sich im Wesentlichen nach dem, zu behandelnden Volumen der Schilddrüse.
Berechnung in Tagen: Autonomien: Volumen (ml) geteilt durch 6, Morbus Basedow: Volumen(ml) geteilt durch 4,5.
Grundsätzlich kann sich unser Personal, aufgrund der dann erhöhten Strahlenbelastung, nicht ausreichend um Sie kümmern. Es ist allerdings möglich eine weitere sogenannte "Helfende Person" stationär aufzunehmen, um diese Pflegeaufgaben zu erbringen. Auf Nachfrage wird dies von der Krankenkasse in der Regel bezahlt. Die Strahlenexposition für diese Helfende Person ist vergleichsweise gering und als alleinige Exposition ohne reales Risiko.